bücher


«Wilhelm Tell in Manila», Roman, 2016. Heidelberg: Verlag Das Wunderhorn

Meine liebste Rezension erschien in der Süddeutschen Zeitung vom 3. Mai 2016

Tobias Lehmkuhl fand Gefallen an der Geschichte einer Übersetzung, die zur Reise wird. Der Augenarzt, Romancier und spätere philippinische Nationalheld Rizal übersetzt 1886 ein Drama von Friedrich Schiller. 

'Annette Hugs kleiner, faszinierender Roman konzentriert sich auf José Rizals Zeit in Deutschland, oder genauer auf seine Zeit mit "Wilhelm Tell". Ferne Heimat, deutsche Gegenwart und Schweizer Freiheitskampf schieben sich hier in unterschiedlichen Konstellationen immer wieder übereinander. Da sind nicht nur die Dschunken, die den Vierwaldstättersee kreuzen, da sieht man plötzlich auch Rudolph Virchow einen "Kopf der Igoroten" in den Händen halten. Und als Melchthal, einer der Rütli-Verschwörer, seinen von den Habsburgern geblendeten Vater zu Gesicht bekommt, sieht Rizal die leeren Augenhöhlen aus den Operationsstuben seiner Lehrmeister vor sich.' 

Die Gedanken, die mich beim Schreiben dieses Romans angetrieben haben, finden eine überraschende Fortsetzung im Journal, das Camille Luscher zu ihrer Arbeit an der französischen Übersetzung geschrieben hat. Es ist auf Deutsch und Französisch auf der Plattform Toledo erschienen.

 

Der Roman erschien 2018 in der koreanischen Übersetzung von Suh Yosung, 2019 in der französischen von Camille Luscher

2017 wurde der Roman mit einem Schweizer Literaturpreis des Bundesamtes für Kultur ausgezeichnet. 



trobadora.montage. Texte zu Irmtraud Morgner. 2019. Zürich. essais agités

«Für Beatriz ist Schreiben ein experimenteller Vorgang», schreibt Irmtraud Morgner im Roman «Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura». Er ist 1974 erschienen, 2018 hat er das Experiment «trobadora.montage» inspiriert. Sechs Autorinnen haben den Roman diskutiert und sich die Frage gestellt, wie viel von der geistreichen Radikalität Irmtraud Morgners heute noch – oder heute wieder – produktiv und anregend ist. Der Feminismus erlebt schliesslich ein Comeback. Oder setzen Autorinnen und Autoren heute ganz anders an? Aus den Diskussionen sind Ideen für eigene Texte entstanden. Das Ergebnis liegt mit dieser Sammlung vor. 

Das Buch und die anschliessende Lesereise nach Zürich, Gottlieben, Solothurn, Liechtenstein, nochmals Zürich und St. Gallen wurde vom Projekt «Buch und Literatur Ost+» gefördert. Redaktion und Konzept: Annette Hug. Dramaturgische Begleitung: Monika Gysel. Weitere Autorinnen: Ivona Brđanović, Nina Fargahi, Johanna Lier, Gianna Molinari, Natascha Wey. 

 



«In Zelenys Zimmer», Roman, 2010. Zürich: rotpunktverlag

In einer therapeutischen Kammer der Stadt Zürich machen sich fünf Leute einsam Gedanken über ihre Analytikerin. Fünfmal entsteht eine Figur, beim Lesen vielleicht eine sechste. «Frau Zeleny blickte ernst und beunruhigt, fragte aber ohne jede Aufregung, als sei das eine Frage, die man unter Menschen ab und zu stellt: Sie halten es also für möglich, dass Sie verrückt werden?»



«Lady Berta», Roman, 2008. Zürich: rotpunktverlag

Zürich 1939: «Bring mir keinen Balg nach Hause», hatte die Mutter bei der Abreise zu Berta gesagt, und diese hätte schon damals gerne gewusst, wie das eigentlich geht: zu einem Kind zu kommen. Jetzt ist das Dienstmädchen, das eigentlich eine Dame werden wollte, tatsächlich schwanger. Sie verliert ihre Arbeit, kehrt aber nicht zu den Eltern ins Dorf zurück. Der Zweite Weltkrieg beginnt und damit eine Zeit des langen Wartens. Nach dem Krieg lässt Berta das Kind bei Verwandten zurück, um eine Stelle in England anzunehmen.